COMA eröffneten am 16. Mai 2008 in der Hanauer Landstr. 187 einen neuen Ausstellungsraum mit WortKunst

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

 

Nach ‚Herrenlos im Balken’ führen COMA in der aktuellen Ausstellung, in neuen Räumen in der Hanauer Landstraße, ihre ‚Los’-Reihe fort, deren Titel gewohnt ironisch mit den Ausstellungsinhalten spielt. Thematisiert wird diesmal Wortkunst, wie sie bereits seit vielen Jahrhunderten, etwa in Form von Graffitis, bekannt und noch heute gebräuchlich ist. Zu Wort kommen zeitgenössische Künstler, die der Sprache auf unterschiedlichen Wegen nachgehen: Sie sind auf der Suche nach deren Ursprüngen oder stellen verschiedene künstlerisch-philosophische Interpretationen in Frage. Während einige der Künstler die Sprache als gleichwertig neben dem Bild benutzen, konzentrieren sich andere ausschließlich auf deren bildhaften Gehalt und formen so Worte zu Bildern. Wieder andere arbeiten mit der Sprache im bewegten Bild (Video).

Markus Vater stellt in seinen Zeichnungen einfache, meist sehr poetisch anmutende Fragen und findet eigenwillige Antworten: Wie sehen wir die Welt in der wir leben und warum leben wir eigentlich trotzdem so, wie begegnen wir dem Einfluss der Medien, wo verschwimmen die Grenzen zwischen Fantasie und wirklichem Leben? Seine oft seltsam grotesk scheinenden Lebensweisheiten und Geistesblitze – in sparsam eingesetzter Schulschreibschrift aufs Blatt gebracht –  sind rebellisch und authentisch zugleich.

Für Stohead (Christoph Hässler) sind die auf den einfachen „tags“ aufgebauten Graffiti eine zeitgenössische Form moderner Kalligrafie. Neben der puristischen Form, den „tags und „throw-ups“, mit einem Zug ausgeführte „handstyles", äußert sich seine Leidenschaft für Graffiti auch in einer unverkennbaren Detailverliebtheit, welche den vielen skurrilen Figuren gerecht wird, die immer wieder in seinen Bildern auftauchen. Handwerkliche Perfektion spielt  mit Experimentierfreudigkeit, wobei die Abstraktion nur soweit geht, wie das die Gesetze der Schriftkunst erlauben, ohne ihr Dynamik verströmendes und sensibel aufeinander abgestimmtes Gefüge zu (zer-) stören.

Aus der Idee, die Poesie nicht in Bücher zu binden, sondern sie auf Textilien zu bannen, gründete Ina Kurz 1999 die Marke Maegde u. Knechte. Seitdem ist aus dieser Marke ein Spielfeld neuer Sprachkultur geworden. Ina Kurz betreibt ein Atelier mit Showroom  sowie einen Laden in Hamburg und hält Vorträge über Produktentwicklung und Design. Ihre Arbeiten gehören zur zeitgenössischen Sammlung im Haus der Geschichte in Bonn, werden im Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe gezeigt, im Künstlerhaus Wien und in Budapest.

Nicht ohne Augenzwinkern spielt Laura Kuch mit den Möglichkeiten und der Macht der Worte. Doch es ist letztlich immer ein ernstes Spiel, denn sie spielt mit jenen, als Grundlagen der menschlichen Existenz geltenden Dingen: Der Sehnsucht und dem damit verbundenen möglichen Scheitern und der Konfrontation mit dem eigenen Selbst, der eigenen Geschichte. Die Künstlerin hält ihre Arbeiten konzeptuell und ästhetisch bewusst reduziert und schafft gleichzeitig vielerlei Bezüge zur Kunstgeschichte, Literatur und Popkultur.

Karolina Kos entwirft verschiedenste Texte – Lyrik, visuelle Wortspiele, Dialoge, Sinnsprüche usw. – und verbindet sie mit Objekten und öffentlichen Räumen. Das flüchtige Wort wird abrufbares Kopfkino auf bespieltem Material, der Wortträger mitgestaltender Sinnverstärker, der üblicherweise einsame Lesevorgang zum gemeinsamen Erlebnis.

Eva Köstner arbeitet mit Film und Video, Objekten und Zeichnungen. Ihre visualisierten Utopien sind von einer vielschichtigen Hintergründigkeit geprägt und fordern stets zum Innehalten, Erstaunen und Nachdenken auf. Formale wie inhaltliche Ambivalenzen verstören unsere Wahrnehmungs- und Assoziationsgewohnheiten und öffnen in der Folge den Blick für neue Perspektiven und Möglichkeiten. Die Aura ihrer Filme findet sich in vielen Objekten verdichtet, ihre Zeichnungen erwecken jene im Kontext komplexer Bilder zum Leben.

Gabriele Horndasch wirkt hauptsächlich in den Bereichen Film, Photographie und Installation, aber ihr Werk umfasst auch Zeichnungen, Skulpturen und Collagen. Viele ihrer Arbeiten haben seriellen Charakter; ihr Augenmerk richtet sich vor allem auf das Zusammenspiel von Material und Licht, Bewegung und Stillstand, die Neuinterpretation und Rekombination vernachlässigter und weggeworfener Dinge. Häufig hinterfragen ihre Arbeiten soziale und geschlechtsspezifische Rollenbilder und problematisieren vorgefasste Vorstellungen und Ansichten. In ihren aktuellen Arbeiten untersucht sie das Mittel der Sprache in seiner Beziehung zu Bildlichkeit und Zeit.

Angelika Haak ist Konzept- und Medienkünstlerin. In einer Reihe von Arbeiten beschäftigt sie sich mit dem Aspekt der Sinnstiftung und Wortschöpfung. Der dieser Thematik zu Grunde liegende assoziative Prozess wird von einer Script-Programmierung exemplarisch durchgeführt. Die Arbeit ‚Der AutoSummat’ setzt sich mit dem Aspekt der Neuschöpfung und Wortfindung, Sinnstiftung und Assoziation auseinander.

Der moderne Mensch bewegt sich täglich in einem großen Schilderwald, der ihm in komprimierter Form den Weg zu seinen Bedürfnissen zeigt. Johannes Braig fügt diesen Zeichen seinen persönlichen Schilderwald hinzu. Selbstgemachte schablonenhafte Buchstaben, akribisch von Hand ausgemalt, manchmal mit ornamentalem Übermut umgeben, geben tief banalisierte Weisheiten der künstlerischen ‚Aktivitätsmaschinerie’ bekannt.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.